Facebook
Ev.-ref. Kirche des Kantons Freiburg

Laeticia Buchs

Wir haben die «Pause»-Taste gedrückt

Sigle pause (Foto: Martin Burkhard)

In den Schränken der Sakristeien setzen die Abendmahlkelche Staub an. Die Feier der Verbundenheit mit dem Körper Christi kann als gefährlich angesehen werden. Der Körper, von dem wir beim Abendmahl sprechen, ist so verletzlich und schwach wie noch nie, von einem globalen Virus durchdrungen. Das Abendmahl ist körperlich, und der Körper ist sterblich. Dies ist sein eigentliches Schicksal. Im Glauben wird er verklärt. Aber seine Auferstehung wird durch einen Anderen geleitet. «Maranatha! Unser Herr kommt» ist als liturgischer Ruf Teil jeder reformierten Abendmahlsfeier. Der Ausdruck eines Dürstens des athletischen Körpers nach mehr Leben? Wohl eher der einer versöhnten und gestillten Körperlichkeit. Es ist ein anderer der rettet. Unser Bewusstsein dieser gegenseitigen Abhängigkeit bringt die Notwendigkeit des Umwegs über einen anderen an den Tag, über den Anderen, der uns das wahre Leben hin zum Heil schenkt. In unserem tiefsten Sein sind wir Wesen, die voneinander abhängig sind. Dies hat uns die Pandemie gezeigt. Die aus einem einzigen Brotlaib gebrochenen Brotstückchen sind ein schönes Sinnbild dafür. Wissen Sie noch, wie es war? Das Brot wird im offenen Kreis der versammelten Kirchgemeindeglieder im Gottesdienst geteilt. Heute befinden wir uns im «Stand-by», haben auf diesen Knopf gedrückt.

Während wir warten, erleben wir die Schwäche, diese «Verletzlichkeit», von der jetzt so oft die Rede ist. Wir alle haben verwundbare Körper. Dies hatten wir vergessen, und das Abendmahl erinnert uns daran: Es ist eine Wurzel des spirituellen Lebens aller Christinnen und Christen. Und seine Wiedereinsetzung eine Perspektive. Möge ein Maranatha im ganzen Kanton erschallen, ein Ruf und ein Wunsch nach mehr Leben. Lassen wir die Kelche noch eine Weile in den Schränken stehen. Dies hindert uns aber nicht daran, das Versprechen Jesu zu verbreiten: «Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben.» (Evangelium nach Johannes 10,10).

Martin Burkhard, Pfarrer
Synodalrat

Newsletter - Inhaltsverzeichnis