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Ev.-ref. Kirche des Kantons Freiburg

Jolande Roh

Die Kirchen hören die Botschaft des «Streiks für die Zukunft» am 21. Mai 2021

Logo-EERF-Kath (Foto: Jolande Roh)

Durch die demokratischen Mittel der Mobilisierung und Demonstration sendet die Bewegung «Strike for Future» eine Botschaft von grosser Bedeutung an unsere gesamte Gesellschaft. Die katholische und die reformierte Kirche im Kanton Freiburg fühlen sich angesprochen.

Die zentrale Botschaft des «Strike for Future» ist nach Ansicht der Kirchen ernst zu nehmen. Es geht insbesondere um die Ressourcen, die durch uns Menschen verbraucht werden, die Mengen an Rohstoffen, Treibhausgasen und Abfällen, die sich angesammelt haben. Auch das Aussterben von Wildtieren ist Teil dieser unglücklichen Entwicklung. In der Vergangenheit erreichten die Zahlen nicht das heutige Ausmass.

Die zentrale Botschaft des «Strike for Future» betrifft unsere Machtstellung. Noch nie gab es so viele Menschen auf der Erde, und nie zuvor haben sie so viele Gegenstände angehäuft und weggeworfen wie heute: In Europa besass eine durchschnittliche Familie zu Beginn des 20. Jahrhunderts einhundert Gegenstände, eine Familie in der heutigen Zeit besitzt mehrere Tausend. Diese Zahlen sind mit dem Handeln – oder dem Nichthandeln – verbunden, auf das hier hingewiesen wird.

In der christlichen Vision ist die Schöpfung der von Gott gegebene Lebensraum – ein großartiges System von Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten.

Ausgestattet mit dem Handlungspotenzial, diesen kollektiven Lebensraum zu verwalten, haben die Menschen ihn in den letzten zwei Jahrhunderten zu ihrem exklusiven Lebensraum gemacht. Sie haben sich von anderen Lebensbereichen vollkommen abgegrenzt, sie haben sich von den zukünftigen Generationen emanzipiert. Heute läuten bei ihnen kaum noch Alarmglocken, um sie zur Vernunft zu bringen.

Die Kirchen halten eine Verhaltensänderung für notwendig; eine Umkehr, die sowohl praktisch als auch spirituell ist. In diesem Sinne nehmen sie die Botschaft des "Strike for Future" ernst. Mit ihren Mitteln - darunter Dankgebet und Fasten - beteiligen sie sich an den Bemühungen, massvoller zu leben. Sie sind der Meinung, dass es möglich ist, glücklich zu leben, ohne absurd zu konsumieren, als ob wir mehrere Planeten hätten. Sie halten ein Leben für möglich, das die einfachen Freuden der Betrachtung der Schöpfung und die solidarische Beziehung zu unserem Nächsten wiederentdeckt.

Am 21. Mai werden Christinnen und Christen höchstwahrscheinlich mit den anderen Demonstrant/-innen am Marsch teilnehmen. Auf der Grundlage ihres christlichen Glaubens werden sie diesem Aufruf folgen, der bereits durch den Ökumenischen Rat der Kirchen zur Bewahrung der Schöpfung, von Papst Franziskus in Laudato Si, von den kirchlichen Hilfswerken, die zu einer Öko-Spiritualität einladen und durch all diejenigen christlichen Denker/-innen erfolgt ist, die sich schon seit Jahrzehnten mit dieser Frage beschäftigen.

Im Aufruf des «Strike for Future» gibt es Berührungspunkte mit den Werten der Evangelien. Ohne Panik oder Verharmlosung wollen wir daran glauben, dass wir gemeinsam die Trends umkehren und die Verantwortung für unser Schicksal wieder übernehmen können. Damit die Zukunft unserer Enkelkinder nicht besiegelt ist, und damit die Menschheit sich wieder an ihre spirituellen Werte erinnert.

Für beide Kirchen:
Pfarrer Pierre-Philippe Blaser, Synodalratspräsident der ERKF (evang.-ref. Kirche des Kantons Freiburg)
Pfarrer Martin Burkhard, Synodalrat der ERKF
Thérèse Chammartin, Vize-Präsidentin des Synodalrats der ERKF
Pfarrer Jean Glasson, Bischofsvikar für den französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg
Marianne Pohl-Henzen, bischöfliche Delegierte für die Bistumsregion Deutschfreiburg
Abbé Jean-Jacques Martin, Propst des Domkapitels der Kathedrale St. Nikolaus