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Ev.-ref. Kirche des Kantons Freiburg

Jolande Roh

«Wirtschaft ist Care» heisst eine von Pfarrerinnen intiierte Kampagne.

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«Wirtschaft ist Care» heisst eine von Pfarrerinnen intiierte Kampagne. Sie ruft zu einem Paradigmenwechsel in der Ökonomie auf. Diese soll sich nicht mehr nur am Konsum und Profit orientieren, sondern von der «Geburtlichkeit» und der «Sterblichkeit» des Menschen ausgehend die Lebensbedürfnisse aller Menschen decken. Netzwerke sind wichtiger als Lobbies, Nachbarschaftshilfe und kleinräumige Versorgung ersetzen zunehmend die Abhängigkeit und Ausbeutung in den weltweiten Lieferketten.
Das Wort «Care» verweist auf eine unserer Kernaufgaben. Diakonie, der Dienst am Menschen, ist schon seit der Antike einer der Grundvollzüge der christlichen Gemeinden. «Care» steht zugleich für die Grundhaltung, die innere Einstellung, welche diakonisches Handeln auszeichnen soll: Sorgfalt, Umsicht, Zuwendung, Achtsamkeit.
In der Schweiz geschieht die Grundversorgung im sozialen Bereich auf hohem professionellem Niveau. Die Kirchen treten mit ihrem Engagement zuweilen in eine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten und den Gemeindeaufgaben. Diakonie ist zunehmend durch säkulare Institutionen ersetzt worden.
Die ist für uns aber kein Grund, die Hände in den Schoss zu legen. Neuere Initiativen wie die «Caring Communities» bieten grosse Chancen für die Kirchen gerade in ländlichen Regionen, den Vertrauensvorschuss und die hohe Glaubwürdigkeit, die sie immer noch geniessen, zu nutzen und den vielerorts neu entstehenden Versorgungsräumen zur Verfügung zu stellen. Das braucht viel Wissen um die eigenen Möglichkeiten und Ressourcen, regen Kontakt zwischen den Kirchgemeinden, das wache Interesse für das was not tut («gibt es in unserer Kirchgemeinde Young Carers, Minderjährige, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern, gibt es ältere Personen, die Hilfe brauchen oder in ein Heim übertreten möchten oder müssten und nicht wissen wie, wie komme ich zu einem Vorsorgeauftrag, wie können wir die Lücke zwischen pflegenden Angehörigen und der KESB schliessen, indem wir Situationen von Überforderung und Erschöpfung rechtzeitig erkennen, könnten wir niederschwellige Angebote machen, von denen wir jetzt noch nichts wissen, oder Aufgaben übernehmen, die sich erst im Verlauf eines Aufbauprozesses neu ergeben» etc.).
Die Kirchen dürfen hier selbstbewusst auftreten. Wir verfügen über ein riesiges informelles Netzwerk an Seelsorgebeziehungen. Wir verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen. Wir müssen mit der Nächstenliebe nichts verdienen. Diakonie, der Dienst am Nächsten, enthebt und entzieht sich allem gewinnorientierten Wirtschaften. Sie achtet die Würde und Kostbarkeit des Lebens gerade in seiner Endlichkeit und Verletzlichkeit. Es ist Zeit, dass wir diesem Wesensmerkmal unserer Kirche wieder mehr Raum und Zeit einräumen. Darauf freuen wir uns und sind gespannt, welche geistlichen Impulse uns in und aus der Zeit der notwendigen Beschränkungen in unserem Alltag geschenkt werden.

Pfarrerin Katrin Bardet
Synodalrätin ERKF
Ressort Diakonie

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