Zukunft des Pfarramts, Schutz der persönlichen Integrität und internationale Zusammenarbeit
Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Freiburg (ERKF) hat sich an ihrer Sitzung vom 29. September 2026 in Grangeneuve mit mehreren zentralen Zukunftsfragen der Kantonalkirche befasst. Im Zentrum standen Massnahmen gegen den abzeichnenden Pfarrpersonenmangel, der Schutz der persönlichen Integrität, die kantonalkirchliche Jugendarbeit, die internationale Zusammenarbeit im Rahmen der CEVAA sowie eine gezielte Teilrevision der Kirchenordnung.
«Plan P» als zeitlich begrenzte Antwort auf den Pfarrpersonenmangel
Thomas Schaufelberger, Sekretär des Konkordats (Organ für die Pfarrausbildung in der Deutschschweiz), stellte der Synode als Gastreferent den sogenannten «Plan P» vor. Hintergrund ist der erwartete Mangel an Pfarrpersonen: In den kommenden Jahren dürften deutlich mehr Pfarrerinnen und Pfarrer pensioniert werden, als über die bestehenden Ausbildungswege nachkommen.
Der «Plan P» ist nicht als neuer regulärer Zugang zum Pfarramt gedacht, sondern als zeitlich begrenztes Instrument für eine ausgewiesene Mangellage. Angesprochen werden Personen ab 55 Jahren, die über einen Hochschulabschluss sowie Berufs- und Lebenserfahrung verfügen. Vorgesehen sind ein Auswahlverfahren sowie eine verkürzte, gezielte Ausbildung und eine enge Begleitung. Das Instrument kann erst eingesetzt werden, wenn die zuständigen Konkordatsorgane eine Mangellage festgestellt haben. Für die ERKF bedeutet eine Zustimmung zur entsprechenden Teilrevision des Konkordats zunächst lediglich, dass die rechtliche Grundlage geschaffen wird. Über einen tatsächlichen Einsatz solcher Pfarrvikarinnen oder Pfarrvikare in der ERKF müsste später separat entschieden werden.
Schutz der persönlichen Integrität wird ausgebaut
Ein weiterer Schwerpunkt der Synode war der Schutz der persönlichen Integrität. Die ERKF überarbeitet derzeit ihr bestehendes Schutzkonzept und setzt dabei insbesondere auf Basisschulungen sowie auf die Erarbeitung eines zweisprachigen Verhaltenskodex.
Die ersten Schulungen finden am 13. November 2026 in Biel auf Französisch und am 17. November 2026 in Düdingen auf Deutsch statt. Für Amtsträgerinnen und Amtsträger sowie Seelsorgende sind diese Schulungen obligatorisch. Ab 2027 sollen regelmässig weitere Kurse angeboten werden. Für die anderen kirchlichen Mitarbeitenden sind ergänzende Aus- und Weiterbildungsangebote vorgesehen.
Die Schulungen sollen dazu befähigen, Situationen zu erkennen, in denen die persönliche Integrität gefährdet sein könnte. Sie werden mit Fachpersonen durchgeführt. Parallel dazu soll ein für die Freiburger Verhältnisse angepasster Verhaltenskodex entwickelt werden. Eine Arbeitsgruppe soll ihre Arbeit im ersten Semester 2027 aufnehmen.
Fachstelle Jugend unterstützt die Kirchgemeinden
Marie Javet, die seit kurzem neue Leiterin der kantonalkirchlichen Fachstelle Jugend, stellte der Synode die laufenden Projekte der Jugendarbeit vor. Die Fachstelle berät und begleitet Kirchgemeinden, fördert die Vernetzung und stellt Ressourcen sowie Möglichkeiten zur Projektfinanzierung zur Verfügung.
Zum Programm 2026/27 gehören unter anderem eine Reise nach Taizé im Oktober, ein Lager in Grimentz im Dezember sowie eine weitere Ausbildung für junge Begleitpersonen im Januar 2027. Auch die Jugendfestivals BREF (Romandie) und REFINE (Deutschschweiz) gehören zu den überregionalen Angeboten. Nach der Austragung von REFINE 2027 in Arlesheim ist für 2029 eine zweisprachige Ausgabe in Freiburg vorgesehen.
ERKF bleibt Mitglied der CEVAA
Die Synode befasste sich zudem mit der internationalen Zusammenarbeit innerhalb der CEVAA, der «Communauté Evangélique d'Action Apostolique». Die Gemeinschaft verbindet protestantische Kirchen aus 36 verschiedenen Ländern und ermöglicht den Austausch über kirchliche Projekte, theologische Fragen und Ausbildung.
Die ERKF gehört seit der Gründung der CEVAA zu deren Mitgliedskirchen. Bisher wurde ihre Mitgliedschaft im Rahmen der Zusammenarbeit mit DM – échange et mission getragen. Die Synode beschloss, die Mitgliedschaft der ERKF fortzuführen und für das Jahr 2027 einen Beitrag von 10'000 Franken zu leisten. Dieser Betrag wird aus den bereits für DM vorgesehenen Mitteln finanziert.
Über die internationale Dimension dieser Zusammenarbeit berichtete auch der Theologiestudent und Mitglied der Synode, Mathias Molleyres, der seine Erfahrungen einer kürzlichen Reise nach Togo und seine Begegnungen innerhalb des CEVAA-Netzwerks vorstellte.
Kirchenordnung soll gezielt überprüft werden
Die Synode gab zudem grünes Licht für eine Teilrevision der Kirchenordnung. Die derzeit geltende Fassung stammt aus dem Jahr 2012. Ihre Anwendung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Unklarheiten, Unstimmigkeiten und Auslegungsfragen sichtbar gemacht. Gleichzeitig haben sich gesellschaftliche, kirchliche, organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen verändert.
Vorgesehen ist ausdrücklich keine Totalrevision. Eine Kommission soll gezielt jene Bestimmungen überprüfen, bei denen Anpassungsbedarf besteht. Dabei sollen unter anderem Rechtssicherheit, Kohärenz, Terminologie und praktische Anwendbarkeit berücksichtigt werden. Auch die Übereinstimmung zwischen der deutschen und der französischen Fassung der Kirchenordnung soll geprüft werden.
Die Kommission soll fünf bis sieben Mitglieder umfassen und nach ihrer Einsetzung bis Ende 2027 einen Bericht und Änderungsvorschläge vorlegen. Die Synode könnte sich 2028 mit den vorgeschlagenen Änderungen befassen.
Aufnahme in den Freiburgischen Kirchendienst
Zum Abschluss befasste sich die Synode mit der Aufnahme von Pfarrer Uwe Tatjes, derzeit Pfarrer in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Antoni, in den Freiburgischen Kirchendienst. Die Ordinationskommission hatte seine Aufnahme zuvor empfohlen. Herr Pfr. Tatjes studierte in Tübingen, Bern und Zürich und wurde 1998 in Deutschland ordiniert.
Die Synodensitzung endete mit der feierlichen Aufnahme in den Kirchendienst und einem Schlussgebet.
Für Rückfragen:
Peter A. Schneider
026 670 45 40 |
«Plan P» als zeitlich begrenzte Antwort auf den Pfarrpersonenmangel
Thomas Schaufelberger, Sekretär des Konkordats (Organ für die Pfarrausbildung in der Deutschschweiz), stellte der Synode als Gastreferent den sogenannten «Plan P» vor. Hintergrund ist der erwartete Mangel an Pfarrpersonen: In den kommenden Jahren dürften deutlich mehr Pfarrerinnen und Pfarrer pensioniert werden, als über die bestehenden Ausbildungswege nachkommen.
Der «Plan P» ist nicht als neuer regulärer Zugang zum Pfarramt gedacht, sondern als zeitlich begrenztes Instrument für eine ausgewiesene Mangellage. Angesprochen werden Personen ab 55 Jahren, die über einen Hochschulabschluss sowie Berufs- und Lebenserfahrung verfügen. Vorgesehen sind ein Auswahlverfahren sowie eine verkürzte, gezielte Ausbildung und eine enge Begleitung. Das Instrument kann erst eingesetzt werden, wenn die zuständigen Konkordatsorgane eine Mangellage festgestellt haben. Für die ERKF bedeutet eine Zustimmung zur entsprechenden Teilrevision des Konkordats zunächst lediglich, dass die rechtliche Grundlage geschaffen wird. Über einen tatsächlichen Einsatz solcher Pfarrvikarinnen oder Pfarrvikare in der ERKF müsste später separat entschieden werden.
Schutz der persönlichen Integrität wird ausgebaut
Ein weiterer Schwerpunkt der Synode war der Schutz der persönlichen Integrität. Die ERKF überarbeitet derzeit ihr bestehendes Schutzkonzept und setzt dabei insbesondere auf Basisschulungen sowie auf die Erarbeitung eines zweisprachigen Verhaltenskodex.
Die ersten Schulungen finden am 13. November 2026 in Biel auf Französisch und am 17. November 2026 in Düdingen auf Deutsch statt. Für Amtsträgerinnen und Amtsträger sowie Seelsorgende sind diese Schulungen obligatorisch. Ab 2027 sollen regelmässig weitere Kurse angeboten werden. Für die anderen kirchlichen Mitarbeitenden sind ergänzende Aus- und Weiterbildungsangebote vorgesehen.
Die Schulungen sollen dazu befähigen, Situationen zu erkennen, in denen die persönliche Integrität gefährdet sein könnte. Sie werden mit Fachpersonen durchgeführt. Parallel dazu soll ein für die Freiburger Verhältnisse angepasster Verhaltenskodex entwickelt werden. Eine Arbeitsgruppe soll ihre Arbeit im ersten Semester 2027 aufnehmen.
Fachstelle Jugend unterstützt die Kirchgemeinden
Marie Javet, die seit kurzem neue Leiterin der kantonalkirchlichen Fachstelle Jugend, stellte der Synode die laufenden Projekte der Jugendarbeit vor. Die Fachstelle berät und begleitet Kirchgemeinden, fördert die Vernetzung und stellt Ressourcen sowie Möglichkeiten zur Projektfinanzierung zur Verfügung.
Zum Programm 2026/27 gehören unter anderem eine Reise nach Taizé im Oktober, ein Lager in Grimentz im Dezember sowie eine weitere Ausbildung für junge Begleitpersonen im Januar 2027. Auch die Jugendfestivals BREF (Romandie) und REFINE (Deutschschweiz) gehören zu den überregionalen Angeboten. Nach der Austragung von REFINE 2027 in Arlesheim ist für 2029 eine zweisprachige Ausgabe in Freiburg vorgesehen.
ERKF bleibt Mitglied der CEVAA
Die Synode befasste sich zudem mit der internationalen Zusammenarbeit innerhalb der CEVAA, der «Communauté Evangélique d'Action Apostolique». Die Gemeinschaft verbindet protestantische Kirchen aus 36 verschiedenen Ländern und ermöglicht den Austausch über kirchliche Projekte, theologische Fragen und Ausbildung.
Die ERKF gehört seit der Gründung der CEVAA zu deren Mitgliedskirchen. Bisher wurde ihre Mitgliedschaft im Rahmen der Zusammenarbeit mit DM – échange et mission getragen. Die Synode beschloss, die Mitgliedschaft der ERKF fortzuführen und für das Jahr 2027 einen Beitrag von 10'000 Franken zu leisten. Dieser Betrag wird aus den bereits für DM vorgesehenen Mitteln finanziert.
Über die internationale Dimension dieser Zusammenarbeit berichtete auch der Theologiestudent und Mitglied der Synode, Mathias Molleyres, der seine Erfahrungen einer kürzlichen Reise nach Togo und seine Begegnungen innerhalb des CEVAA-Netzwerks vorstellte.
Kirchenordnung soll gezielt überprüft werden
Die Synode gab zudem grünes Licht für eine Teilrevision der Kirchenordnung. Die derzeit geltende Fassung stammt aus dem Jahr 2012. Ihre Anwendung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Unklarheiten, Unstimmigkeiten und Auslegungsfragen sichtbar gemacht. Gleichzeitig haben sich gesellschaftliche, kirchliche, organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen verändert.
Vorgesehen ist ausdrücklich keine Totalrevision. Eine Kommission soll gezielt jene Bestimmungen überprüfen, bei denen Anpassungsbedarf besteht. Dabei sollen unter anderem Rechtssicherheit, Kohärenz, Terminologie und praktische Anwendbarkeit berücksichtigt werden. Auch die Übereinstimmung zwischen der deutschen und der französischen Fassung der Kirchenordnung soll geprüft werden.
Die Kommission soll fünf bis sieben Mitglieder umfassen und nach ihrer Einsetzung bis Ende 2027 einen Bericht und Änderungsvorschläge vorlegen. Die Synode könnte sich 2028 mit den vorgeschlagenen Änderungen befassen.
Aufnahme in den Freiburgischen Kirchendienst
Zum Abschluss befasste sich die Synode mit der Aufnahme von Pfarrer Uwe Tatjes, derzeit Pfarrer in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Antoni, in den Freiburgischen Kirchendienst. Die Ordinationskommission hatte seine Aufnahme zuvor empfohlen. Herr Pfr. Tatjes studierte in Tübingen, Bern und Zürich und wurde 1998 in Deutschland ordiniert.
Die Synodensitzung endete mit der feierlichen Aufnahme in den Kirchendienst und einem Schlussgebet.
Für Rückfragen:
Peter A. Schneider
026 670 45 40 |
