Schwerpunkt Thema: Engagement – eine reiche kirchliche Tradition
Beobachtungen
Unsere kirchlichen Gemeinschaften leben vom Engagement ihrer Mitglieder. In den Gottesdiensten – das ist klar –, aber auch bei der Gestaltung der Vielzahl an Aktivitäten, die Leben in die Kirche bringen.
Allerdings scheint das Engagement, zumindest in einigen Bereichen, abzunehmen. Das zeigt sich in unseren Kirchgemeinden, wo unsere Kirchgemeinderäte Mühe haben, Stellen zu besetzen. Das Gleiche lässt sich auch bei den Delegationen in die Synode beobachten. Und es ist nicht so einfach, Kräfte zu mobilisieren, um ein Fest zu organisieren oder ein Projekt durchzuführen.
Diese Situation birgt natürlich Risiken. Zum Beispiel die mögliche Erschöpfung der Personen, die sich engagieren. Auch das Risiko, dass sich die Arbeitsatmosphäre angesichts der anstehenden Aufgaben verschlechtert. Und schliesslich die Niedergeschlagenheit, die sich aus der Leere ergibt.
Was tun?
Mehr Verständnis
Diese Erosion ist auch anderswo zu beobachten. Auch in Vereins-, Sport- und Kulturkreisen herrscht kein grosser Andrang, wenn es darum geht, sich nachhaltig zu engagieren. Der Soziologe Matthew Wood weist darauf hin, dass in alternativ-religiösen New-Age-Zirkeln die Teilnehmenden die Flucht ergreifen, sobald ihre Gruppe eine Struktur annimmt und Verantwortlichkeiten verteilt werden. Ist dieser Rückgang des Engagements dem Zeitgeist geschuldet? Ein paar Hypothesen:
Vielleicht besteht die Befürchtung, dass das Engagement andere Möglichkeiten einschränkt. Tatsächlich gibt es immer mehr Angebote, um die Zeit neben der Arbeit und den Haushaltspflichten zu füllen. Und diese Angebote verkaufen sich gut, sie versprechen denn auch viel: Entspannung, Wohlbefinden, Stärkung, Ablenkung, Sammeln positiver Erfahrungen. Und da flüstert die innere Stimme: «Wenn ich mich in der Kirche engagiere, entgehen mir andere Dinge.»
Vielleicht hängt diese Zurückhaltung aber auch mit der Angst vor enger Zusammenarbeit zusammen. Das Engagement in der Kirche verlangt in der Tat, dass Ideen und Projekte der Gemeinschaft vorgebracht werden. Kurz gesagt, es erfordert die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Man geht also ein Risiko ein. Und da flüstert die innere Stimme: «Wenn ich mich in der Kirche engagiere, werde ich mich mehr durchsetzen müssen, das macht mir etwas Angst.»
Letzte Hypothese: der Konsumgeist, der sich in allen Bereichen niederschlägt. Der westliche Lebensstil ist auf den unaufhörlichen Konsum ausgerichtet, wofür unsere überquellenden Mülldeponien ein Indikator sind. Diese Konsumhaltung könnte auf die Art und Weise abfärben, wie die Religion gelebt wird, ganz nach dem Muster Wünschen – Wählen – Kaufen – Wegwerfen. Und da flüstert die innere Stimme: «Ich werde mir von der Religion nehmen, was mir etwas bringt, den Rest lasse ich beiseite.»
Es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten, die untersucht werden sollten.
Weitergabe des Glaubens
Für uns Christinnen und Christen schlage ich vor, die hier beschriebene Situation nicht als Anlass zur Klage zu nehmen, sondern unser Vertrauen zu Gott strahlen zu lassen.
Zunächst sollten wir uns nicht zu pharaonischen Projekten hinreissen lassen. Wir sollten vielmehr versuchen, das zu tun, was uns möglich ist. Zum Beispiel zusammen mit dem christlichen Vertrauen auch die daraus resultierende Pflicht zum Engagement zu vermitteln. Denn das Engagement ist Teil des Glaubensschatzes.
Drei Schritte
a. Unseren bisherigen Weg analysieren. Was konnten wir im Rahmen unseres Engagements entdecken, erleben und aufbauen? Welche schönen Momente haben wir in der Kirche erlebt?
b. Die Hand Gottes erkennen. Mit diesem Engagement hat unser Dienen einen Platz gefunden.
Wir konnten einen Teil unserer Fähigkeiten, unserer Ideen einbringen. Wir haben Impulse und neue Ziele für unser Wirken erhalten und haben Erfahrungen gemacht, die uns letztlich gestärkt haben. Könnten wir rückblickend nicht sagen, dass unser Leben durch diese Erfahrungen von Gott erfüllt war?
c. Zum Zeugnis übergehen. Da wir nun verstanden haben, dass unsere Zeitgenossen Grund zum Zögern hatten, sollten wir mit Überzeugung zu ihnen sprechen. Stützen wir uns auf unsere guten Erfahrungen; sprechen wir ihre Ängste mit ihnen an.
Dann lassen wir eine andere Stimme zu, die flüstert: «Wenn ich mich in der Kirche engagiere, folge ich dem Ruf Christi, für mich und für die ganze Welt, und ich geniesse das Leben, das er mir in Fülle schenkt».
Pfr. Pierre-Philippe Blaser
Präsident der Synodalrat
Newsletter - Inhaltsverzeichnis
Unsere kirchlichen Gemeinschaften leben vom Engagement ihrer Mitglieder. In den Gottesdiensten – das ist klar –, aber auch bei der Gestaltung der Vielzahl an Aktivitäten, die Leben in die Kirche bringen.
Allerdings scheint das Engagement, zumindest in einigen Bereichen, abzunehmen. Das zeigt sich in unseren Kirchgemeinden, wo unsere Kirchgemeinderäte Mühe haben, Stellen zu besetzen. Das Gleiche lässt sich auch bei den Delegationen in die Synode beobachten. Und es ist nicht so einfach, Kräfte zu mobilisieren, um ein Fest zu organisieren oder ein Projekt durchzuführen.
Diese Situation birgt natürlich Risiken. Zum Beispiel die mögliche Erschöpfung der Personen, die sich engagieren. Auch das Risiko, dass sich die Arbeitsatmosphäre angesichts der anstehenden Aufgaben verschlechtert. Und schliesslich die Niedergeschlagenheit, die sich aus der Leere ergibt.
Was tun?
Mehr Verständnis
Diese Erosion ist auch anderswo zu beobachten. Auch in Vereins-, Sport- und Kulturkreisen herrscht kein grosser Andrang, wenn es darum geht, sich nachhaltig zu engagieren. Der Soziologe Matthew Wood weist darauf hin, dass in alternativ-religiösen New-Age-Zirkeln die Teilnehmenden die Flucht ergreifen, sobald ihre Gruppe eine Struktur annimmt und Verantwortlichkeiten verteilt werden. Ist dieser Rückgang des Engagements dem Zeitgeist geschuldet? Ein paar Hypothesen:
Vielleicht besteht die Befürchtung, dass das Engagement andere Möglichkeiten einschränkt. Tatsächlich gibt es immer mehr Angebote, um die Zeit neben der Arbeit und den Haushaltspflichten zu füllen. Und diese Angebote verkaufen sich gut, sie versprechen denn auch viel: Entspannung, Wohlbefinden, Stärkung, Ablenkung, Sammeln positiver Erfahrungen. Und da flüstert die innere Stimme: «Wenn ich mich in der Kirche engagiere, entgehen mir andere Dinge.»
Vielleicht hängt diese Zurückhaltung aber auch mit der Angst vor enger Zusammenarbeit zusammen. Das Engagement in der Kirche verlangt in der Tat, dass Ideen und Projekte der Gemeinschaft vorgebracht werden. Kurz gesagt, es erfordert die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Man geht also ein Risiko ein. Und da flüstert die innere Stimme: «Wenn ich mich in der Kirche engagiere, werde ich mich mehr durchsetzen müssen, das macht mir etwas Angst.»
Letzte Hypothese: der Konsumgeist, der sich in allen Bereichen niederschlägt. Der westliche Lebensstil ist auf den unaufhörlichen Konsum ausgerichtet, wofür unsere überquellenden Mülldeponien ein Indikator sind. Diese Konsumhaltung könnte auf die Art und Weise abfärben, wie die Religion gelebt wird, ganz nach dem Muster Wünschen – Wählen – Kaufen – Wegwerfen. Und da flüstert die innere Stimme: «Ich werde mir von der Religion nehmen, was mir etwas bringt, den Rest lasse ich beiseite.»
Es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten, die untersucht werden sollten.
Weitergabe des Glaubens
Für uns Christinnen und Christen schlage ich vor, die hier beschriebene Situation nicht als Anlass zur Klage zu nehmen, sondern unser Vertrauen zu Gott strahlen zu lassen.
Zunächst sollten wir uns nicht zu pharaonischen Projekten hinreissen lassen. Wir sollten vielmehr versuchen, das zu tun, was uns möglich ist. Zum Beispiel zusammen mit dem christlichen Vertrauen auch die daraus resultierende Pflicht zum Engagement zu vermitteln. Denn das Engagement ist Teil des Glaubensschatzes.
Drei Schritte
a. Unseren bisherigen Weg analysieren. Was konnten wir im Rahmen unseres Engagements entdecken, erleben und aufbauen? Welche schönen Momente haben wir in der Kirche erlebt?
b. Die Hand Gottes erkennen. Mit diesem Engagement hat unser Dienen einen Platz gefunden.
Wir konnten einen Teil unserer Fähigkeiten, unserer Ideen einbringen. Wir haben Impulse und neue Ziele für unser Wirken erhalten und haben Erfahrungen gemacht, die uns letztlich gestärkt haben. Könnten wir rückblickend nicht sagen, dass unser Leben durch diese Erfahrungen von Gott erfüllt war?
c. Zum Zeugnis übergehen. Da wir nun verstanden haben, dass unsere Zeitgenossen Grund zum Zögern hatten, sollten wir mit Überzeugung zu ihnen sprechen. Stützen wir uns auf unsere guten Erfahrungen; sprechen wir ihre Ängste mit ihnen an.
Dann lassen wir eine andere Stimme zu, die flüstert: «Wenn ich mich in der Kirche engagiere, folge ich dem Ruf Christi, für mich und für die ganze Welt, und ich geniesse das Leben, das er mir in Fülle schenkt».
Pfr. Pierre-Philippe Blaser
Präsident der Synodalrat
Newsletter - Inhaltsverzeichnis
Editorial DE
Schwerpunkt Thema: Engagement – eine reiche kirchliche Tradition
Kilchhöri der Kirchgemeinde Ferenbalm
Nationale Bildungswoche von Plusbildung
Zukunftswerkstatt Katechese
Kalender der Religionen 2024-2025
Mönchsgeflüster Teil 2
Interview mit einer «erfahrenen Accos»
Nachhaltigkeit bei Mission21
75 Jahre Taizé
Kirchgemeinde Murten: Erwachsenenbildung 2024
Kreuz und quer – das Reisespiel 2024
Medientipps aus dem Dokumentationszentrum der PH Freiburg
Schwerpunkt Thema: Engagement – eine reiche kirchliche Tradition
Kilchhöri der Kirchgemeinde Ferenbalm
Nationale Bildungswoche von Plusbildung
Zukunftswerkstatt Katechese
Kalender der Religionen 2024-2025
Mönchsgeflüster Teil 2
Interview mit einer «erfahrenen Accos»
Nachhaltigkeit bei Mission21
75 Jahre Taizé
Kirchgemeinde Murten: Erwachsenenbildung 2024
Kreuz und quer – das Reisespiel 2024
Medientipps aus dem Dokumentationszentrum der PH Freiburg