Lesen hilft: Zwei Literaturempfehlungen aus der kantonalen Fachstelle Bildung
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Lesen hilft - Zwei Literaturempfehlungen aus der Fachstelle Bildung
Wenn ich das Gefühl habe, das Weltgeschehen, also die politische Grosswetterlage aber auch einzelne Konflikte ganz und gar nicht mehr zu verstehen, rette ich mich nicht selten in die Literatur. Natürlich können uns seriös gemachte Berichte und Hintergrundreportagen in verschiedensten medialen Formaten viele Informationen liefern und uns die Ursachen von Kriegen und politischen Katastrophen zu erklären versuchen; aber meist sind es literarische Texte, Spielfilme und neuerdings auch gut gemachte Serien, die es - zumindest mir - ermöglichen, die Tragweite von Konflikten etwas besser einzuordnen.
Aus aktuellem Anlass möchte ich deshalb den Roman „Who the Fuck Is Kafka“* der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron zur Lektüre empfehlen. 2016 erschienen, erzählt er die Geschichte einer israelischen Schriftstellerin und eines arabisch-palästinensischen Journalisten, die sich auf einer Friedenskonferenz in Rom begegnen und beschliessen, die Welt des jeweils anderen zu erkunden. Er filmend, sie schreibend. Die sich entwickelnde Freundschaft zwischen den beiden Intellektuellen unterschiedlichster Herkunft ist geprägt von tiefsitzendem Misstrauen, das immer wieder neu überwunden werden muss. Anzukämpfen haben die Israelin und der Palästinenser aber auch gegen das Unverständnis, auf das ihre gemeinsamen Unternehmungen in ihrem jeweiligen Umfeld stossen.
Eine Lösung für den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Israel und Palästina präsentiert der Roman nicht. Im Gegenteil, er lässt viele Fragen offen und zeigt uns letztlich auch keine Zukunft für die Freundschaft seiner Protagonisten. Aber Lizzie Doron (genial aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler) macht auf sehr eindringliche Art deutlich, dass beide Seiten Unmenschliches zu erdulden haben und in ihrem Bemühen, etwas daran zu ändern, weitgehend hilflos sind. Sie waren es 2016 und werden es nach den jüngsten Ereignissen wohl für lange Zeit auch weiterhin bleiben. In diesem Sinn führt uns das Buch vor allem eines vor Augen: Sprechen wir über den Nahostkonflikt, sind oberflächliche Analysen, vorschnelle Urteile und undifferenzierte Schuldzuweisungen von uns fehl am Platz.
Bei der zweiten Lektüreempfehlung handelt es sich genau wie bei der ersten, um Literatur, die schon vor etlichen Jahren entstanden, aber mit den Ereignissen vom letzten Oktober und deren Folgen wieder brandaktuell geworden ist. Der schmale Band „Israel. Eine Korrespondenz“** vereint in sich einen Mailaustausch zwischen dem deutsch-iranischen Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani und dem jüdischen Soziologen Natan Sznaider. Die beiden haben sich 2002 in den dunklen Zeiten der Zweiten Intifada in Haifa kennengelernt. Während Sznaider die Situation in Israel für das Feuilleton der Frankfurter Rundschau verfolgte, hielt Kermani die Eindrücke einer Reise durch Palästina für die Süddeutsche Zeitung fest. Aus der wechselseitigen Vorablektüre und Korrekturen ihrer Artikel entwickelte sich ein umfangreicher Schriftwechsel. Die zwei Intellektuellen vertraten 2002 zum Palästinakonflikt und zur Situation in Israel Meinungen, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten und sie tun dies auch heute noch. Ihre Korrespondenz ist aber getragen von gegenseitiger Hochachtung und einem Reflexionsniveau, das ein Abdriften in unverrückbare Positionen und Schlagworte ausschliesst. Kermani und Sznaider geben sich in ihren Mails sowohl intellektuelle wie auch menschlich grösste Mühe, die Argumentationslinien und Befindlichkeiten des jeweils anderen zu verstehen und suchen gemeinsam nach Auswegen aus der verfahrenen politischen Situation im Nahen Osten. Ihre Korrespondenz gehört wohl zum Klügsten, das es im Moment über Israel zu lesen gibt. Dass es sich dabei um einen Schriftverkehr handelt, der mehr als 20 Jahre alt ist, aber immer noch so gut auf die Situation von heute passt, dass er ohne Korrekturen editiert werden konnte, erschreckt und zeigt, wie wenig in den letzten zwei Jahrzenten zur Friedensförderung geschehen ist.
Franziska Grau Salvisberg
Co-Leiterin kantonale Fachstelle Bildung
* Doron Lizzie; Who the Fuck Is Kafka. Deutscher Taschenbuchverlag 2016
** Kermani Navid / Sznaider Natan; Israel. Eine Korrespondenz. Hanser Verlag 2023
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Wenn ich das Gefühl habe, das Weltgeschehen, also die politische Grosswetterlage aber auch einzelne Konflikte ganz und gar nicht mehr zu verstehen, rette ich mich nicht selten in die Literatur. Natürlich können uns seriös gemachte Berichte und Hintergrundreportagen in verschiedensten medialen Formaten viele Informationen liefern und uns die Ursachen von Kriegen und politischen Katastrophen zu erklären versuchen; aber meist sind es literarische Texte, Spielfilme und neuerdings auch gut gemachte Serien, die es - zumindest mir - ermöglichen, die Tragweite von Konflikten etwas besser einzuordnen.
Aus aktuellem Anlass möchte ich deshalb den Roman „Who the Fuck Is Kafka“* der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron zur Lektüre empfehlen. 2016 erschienen, erzählt er die Geschichte einer israelischen Schriftstellerin und eines arabisch-palästinensischen Journalisten, die sich auf einer Friedenskonferenz in Rom begegnen und beschliessen, die Welt des jeweils anderen zu erkunden. Er filmend, sie schreibend. Die sich entwickelnde Freundschaft zwischen den beiden Intellektuellen unterschiedlichster Herkunft ist geprägt von tiefsitzendem Misstrauen, das immer wieder neu überwunden werden muss. Anzukämpfen haben die Israelin und der Palästinenser aber auch gegen das Unverständnis, auf das ihre gemeinsamen Unternehmungen in ihrem jeweiligen Umfeld stossen.
Eine Lösung für den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Israel und Palästina präsentiert der Roman nicht. Im Gegenteil, er lässt viele Fragen offen und zeigt uns letztlich auch keine Zukunft für die Freundschaft seiner Protagonisten. Aber Lizzie Doron (genial aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler) macht auf sehr eindringliche Art deutlich, dass beide Seiten Unmenschliches zu erdulden haben und in ihrem Bemühen, etwas daran zu ändern, weitgehend hilflos sind. Sie waren es 2016 und werden es nach den jüngsten Ereignissen wohl für lange Zeit auch weiterhin bleiben. In diesem Sinn führt uns das Buch vor allem eines vor Augen: Sprechen wir über den Nahostkonflikt, sind oberflächliche Analysen, vorschnelle Urteile und undifferenzierte Schuldzuweisungen von uns fehl am Platz.
Bei der zweiten Lektüreempfehlung handelt es sich genau wie bei der ersten, um Literatur, die schon vor etlichen Jahren entstanden, aber mit den Ereignissen vom letzten Oktober und deren Folgen wieder brandaktuell geworden ist. Der schmale Band „Israel. Eine Korrespondenz“** vereint in sich einen Mailaustausch zwischen dem deutsch-iranischen Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani und dem jüdischen Soziologen Natan Sznaider. Die beiden haben sich 2002 in den dunklen Zeiten der Zweiten Intifada in Haifa kennengelernt. Während Sznaider die Situation in Israel für das Feuilleton der Frankfurter Rundschau verfolgte, hielt Kermani die Eindrücke einer Reise durch Palästina für die Süddeutsche Zeitung fest. Aus der wechselseitigen Vorablektüre und Korrekturen ihrer Artikel entwickelte sich ein umfangreicher Schriftwechsel. Die zwei Intellektuellen vertraten 2002 zum Palästinakonflikt und zur Situation in Israel Meinungen, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten und sie tun dies auch heute noch. Ihre Korrespondenz ist aber getragen von gegenseitiger Hochachtung und einem Reflexionsniveau, das ein Abdriften in unverrückbare Positionen und Schlagworte ausschliesst. Kermani und Sznaider geben sich in ihren Mails sowohl intellektuelle wie auch menschlich grösste Mühe, die Argumentationslinien und Befindlichkeiten des jeweils anderen zu verstehen und suchen gemeinsam nach Auswegen aus der verfahrenen politischen Situation im Nahen Osten. Ihre Korrespondenz gehört wohl zum Klügsten, das es im Moment über Israel zu lesen gibt. Dass es sich dabei um einen Schriftverkehr handelt, der mehr als 20 Jahre alt ist, aber immer noch so gut auf die Situation von heute passt, dass er ohne Korrekturen editiert werden konnte, erschreckt und zeigt, wie wenig in den letzten zwei Jahrzenten zur Friedensförderung geschehen ist.
Franziska Grau Salvisberg
Co-Leiterin kantonale Fachstelle Bildung
* Doron Lizzie; Who the Fuck Is Kafka. Deutscher Taschenbuchverlag 2016
** Kermani Navid / Sznaider Natan; Israel. Eine Korrespondenz. Hanser Verlag 2023
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Editorial
Schwerpunkt Thema: Wer oder was ist der Mensch ?
Bericht über die Arbeit im Handlungsfeld Bildung und Berufe der EKS
Fazit des Strategischen Ausschusses «Bildung und Berufe» der EKS
Warum Laila Goepel im Kanton Freiburg Pfarrerin werden möchte
Interview mit Fritz Schertenleib, neuer Synodalrat
Filmtipp von Diakonie Schweiz
Lesen hilft: Zwei Literaturempfehlungen aus der kantonalen Fachstelle Bildung
Neuigkeiten aus der kantonalen Fachstelle Bildung
Schulkatechese: Vorbereitung der Diskussionen im Grossen Rat
Mission21 Webinar: "Zwischen Rassismus und Respekt"
150-Jahr-Jubiliäum Kirchgemeinde Cordast
Medientipps aus dem Dokumentationszentrum der PH Freiburg
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