Interview mit Pfarrerin Andrea Mösching

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Diese Interview-Reihe stellt Menschen aus dem evangelisch-reformierten Kontext im Kanton Freiburg vor. Die Fragen werden ausschliesslich schriftlich gestellt und schriftlich beantwortet.
Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen auf einfache, doch aussagekräftige Weise sichtbar zu machen. Durch die feste Struktur der Fragen bleibt das Format einheitlich und leicht umsetzbar.

Zur Person
Andrea Mösching ist seit dem 1. Dezember 2025 die neue, junge Pfarrerin der Kirchgemeinde Meyriez. Im Einzelpfarramt tritt sie die Nachfolge von Pfarrer Andreas Hess an, bei dem sie ihr praktisches Semester (EPS) absolviert hat und so die Kirchgemeinde schon kennenlernen konnte. Nach ihrem Theologiestudium an der Universität Bern wurde sie am 1. November 2025 von den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn ordiniert.

1. Welche Hobbys bereichern Ihr Leben?
Bewegung gehört für mich ganz selbstverständlich zum Alltag. Am liebsten frühmorgens auf dem Wasser. Wenn das Ruderboot über den Wohlensee gleitet und der Tag langsam beginnt, entsteht Raum zum Denken. Das Rudern ist für mich ein Training mit einer guten Mischung aus Konzentration und Leichtigkeit.
Auch joggen bietet mir dieses Unterwegssein und bringt mich in Kontakt mit mir selbst, mit Gott und der Natur. Es tut gut, Schritt für Schritt vorwärtszugehen, ob joggend oder spazierend.
Daneben brauche ich Gestaltung. Mit Stift, Bleistift oder Acrylfarbe. Nicht alles muss ein Ergebnis haben. Manches darf einfach entstehen. Serien, Filme und Bücher begleiten mich ebenso. Und sehr wichtig ist mir gute Gesellschaft. Gespräche, gemeinsames Lachen, Zeit miteinander. Das Leben wird reich, wenn man es teilt.

2. Welches Buch lesen Sie gerade?
Als Pfarrerin müsste ich hier natürlich antworten: die Bibel. Klar, gehört sie dazu und begleitet meinen Arbeitsalltag, prägt Gottesdienste und fordert mich immer wieder heraus, neu hinzuschauen. Aber zugegeben, auf meinem Nachttisch liegt momentan das Buch «Hundert Himmel» von Astrid Ruppert. Der liebevolle Roman erzählt aus den Augen eines Zilpzalps und öffnet so einen neuen Blick auf die Welt. Das Buch thematisiert Träume, Begabungen und Einzigartigkeit auf poetische Weise. Ich habe es vor einigen Jahren gelesen und nun wieder hervorgenommen. Manchmal reicht ein Perspektivenwechsel, um die Welt anders wahrzunehmen.

3. Welchen Stellenwert hat Kultur für Sie?
Leider bin ich aus Zeitgründen viel zu selten im KKL anzutreffen. Wenn es klappt, geniesse ich es aber umso mehr. Besonders Filmmusik spricht mich an, aber auch Konzerte aus dem Pop- und Singer-Songwriter-Bereich. Ich höre gern Musik, entdecke gerne Neues ohne klare Grenzen.
Ich schätze auch die Kleinkunst sehr. Und das Theater begleitet mich schon lange. Ich war selbst in Eigeninszenierungen im Kellertheater dabei und darf dieses Jahr im Murtenschlacht-Jubiläumsjahr bei einem Freilichtspiel mitwirken. Theater hält für mich den Blick wach, weil dort Menschen, Geschichten und Fragen zusammenkommen.

4. Welche Person hat Sie besonders geprägt?
Es gibt für mich nicht die eine prägende Person. Vielmehr sind es unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen. Prägung ist selten eine Einzelleistung, sie entsteht im Miteinander und im Austausch.
Familie und Freundschaften spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig braucht es manchmal Distanz. Dann sind es Menschen ausserhalb des engsten Umfelds, die neue Perspektiven eröffnen. Ich glaube, es kommt auf die Lebensbereiche an. Im Sport, im kreativen Schaffen, in Familie und Freundeskreis sowie in Ausbildung und Beruf haben mich unterschiedliche Persönlichkeiten geprägt und inspiriert. Viele Lebenswege, viele Stimmen. Genau darin liegt für mich der Reichtum.

5. Wie verbinden Sie Glaube und Alltag?
Für mich ist Glaube keine Trennung, sondern eine fliessende Bewegung. Er gehört zum Alltag dazu, nicht zusätzlich, nicht abgehoben, sondern mittendrin. In kleinen Ritualen, in Begegnungen mit Menschen, im bewussten Innehalten und ganz selbstverständlich auch in meinem beruflichen Handeln.
Es geht mir dabei nicht um laute Bekenntnisse oder fertige Antworten, sondern um eine Haltung. Offenbleiben, aufmerksam sein, Vertrauen üben. Der Glaube gibt mir Orientierung und Weite, ohne alles glattzubügeln. Er hilft mir, Fragen auszuhalten, Verantwortung zu übernehmen und unterwegs zu bleiben, auch dort, wo nicht alles gelingt. Gott ist für mich nicht nur in Kirchenräumen präsent, sondern im Alltag, in Gesprächen, im Suchen und im Weitergehen. So verstehe ich Glauben als eine Art, im Leben zu stehen.

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