Schwerpunkt Thema: Umweltschutz, ein heilsamer Weg zur Natur

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Wir freuen uns, Ihnen einen interessanten Artikel vom Theologen Martin Kopp vorzustellen, der von unserer Synodalrätin, Tünde Lamboley ausgewählt worden ist.

Der Theologe Martin Kopp entwickelt das Konzept einer ganzheitlichen Ökologie, die die Menschen dazu einlädt, ihren richtigen Platz in der Umwelt und ihren spirituellen Auftrag zu erkennen.

Die gute Nachricht

Wie wäre es, wenn wir mit einer guten Nachricht beginnen? Der Begriff «Ökologie» selbst lädt uns dazu ein. Er tauchte 1866 bei dem deutschen Biologen Ernst Haeckel auf. Wir kennen den Begriff logos, der gleichzeitig auf das Wort und auf die Vernunft verweist. Weniger bekannt ist, dass das Präfix «Öko» aus dem Altgriechischen oikos stammt, was soviel wie «Haus» bedeutet. Ökologie ist buchstäblich das Studium der Erde und die Diskussion über sie als Haus des Lebens. Die Ökologie ist die gute Nachricht des Lebendigen in seinem Lebensraum!

Jede Annäherung an die gegenwärtige Situation, insbesondere jeder christliche Blick, beginnt an dieser Stelle. Als Empfänger des Lebens als Geschenk, das Gott uns aus Liebe freiwillig bereitet. Die Freude am Dasein als erste Erfahrung der Gnade! Sind wir uns der wunderbaren Tatsache ausreichend bewusst, dass unsere kleine, azurblaue Perle in der Unermesslichkeit des Sternenkosmos so geschaffen wurde, dass sie Leben, Dein Leben ermöglicht? «Herr, wie zahlreich sind doch Deine Werke! Alle hast Du sie mit Weisheit geschaffen, die Erde ist voll von Deinen Geschöpfen.» (Psalm 104.24)

Einzigartige Kreaturen in der Familie der Geschöpfe sind wir Menschen, Wesen der Beziehung und des Wortes, bewusste, freie und verantwortungsbewusste Subjekte. Die Schöpfungstheologie als klassische Lehre und die Ökologische Theologie als ihre konkrete Betrachtung bilden auf vielfältige Weise die Grundlage unserer christlichen Berufung im Schöpfungskreis.

Die Nutzniesser

Einerseits werden implizite Verantwortlichkeiten identifiziert. Insbesondere wenn Gott in seiner Eigenschaft als Schöpfer Eigentümer der Schöpfung ist (z.B. Psalm 24.1), werden unser Wohnen und unser Handeln als die eines Nutzniessers beurteilt. Letzterer hat für das ihm anvertraute Gut zu sorgen. Er muss es zurückgeben und dabei Rechenschaft ablegen. Der Mensch hat weder einen Eigentumsanspruch noch einen Herrschaftsanspruch auf den Boden und seine Ressourcen, auf die Luft und das Wasser oder über die Lebewesen.

Andererseits werden mittels Auslegung der Schriften explizite Verantwortlichkeiten formuliert, die sich direkter auf das Verhältnis zum Rest der Schöpfung beziehen. Das reicht von der ursprünglichen Gutheissung von «Herrschaft» und «Unterwerfung» (Genesis 1.28) bis zum friedlichen Zeichen des Zusammenlebens von Jesu mit den Tieren (Markus 1.13) oder dem Verbot für Urchristen, Fleisch mit Blut zu essen (Apostelgeschichte 15.20) bis zu Gottes Güte und Fürsorge für die Tiere im Gesetz (Exodus 20.10 und Deuteronomium 5.14 u.a., wo der Sabbat auch für sie gilt).

Gemeinsam bilden sie ein zusammengesetztes, aber solides Fundament für ein christliches ökologisches Engagement, ähnlich einem Haus, das sich auf viele Säulen stützt. Im Grunde geht es darum, Boten und Akteure des «Schöpfungsevangeliums» zu sein!

In diesem Glauben verankert, rücken wir zusammen, angesichts der Erschütterungen, die unser gemeinsames Haus zu tragen hat. Denn genau das ist das Wesen des Umbruchs der Natur: Es geht nicht nur um die Klimakrise; mit dem Eintritt in das sechste Massensterben der Arten, der Versauerung der Ozeane, der galoppierenden Bodenerosion, der Störung des Stickstoff- und Phosphorkreislaufs, der Unterbrechung des Wasserkreislaufs … haben wir sechs der neun Grenzen des Planeten überschritten, weshalb wir von einer Verschlechterung der «Bewohnbarkeitsbedingungen» der Erde sprechen müssen. Die Erde ist in ihrer Eigenschaft als «Haus» gefährdet - als Planet wird sie uns überleben.

Die nichtwirtschaftliche Wirtschaft

Angesichts dieser Herausforderung kann man nicht umhin, sich mit dem Wirtschaftssystem auseinanderzusetzen, das faktisch das Werkzeug der Menschheit ist, um die Natur gezielt zu nutzen. Doch die Wirtschaft, die der moderne Westen geschaffen und globalisiert hat, hat unsere Einbindung in die Schöpfung, unsere (Inter)Dependenzen und die Endlichkeit der Erde vergessen lassen. Trotz zaghafter Öffnungen arbeitet die makroökonomische Theorie immer noch weitgehend abgekoppelt, als ob Energie, Materialien, Güter und Dienstleistungen des Ökosystems beliebig substituierbar wären, während die Mehrheitspraktiken die Gleichen bleiben: extrahieren, produzieren, konsumieren und entsorgen.

Wir befinden uns in produktiver und konsumtiver Hinsicht in einer Wachstumsgesellschaft, die eine materialistische Vision des Glücks durch das Mehr und durch das Neue verfolgt, an ein beständiges Wachstum glaubt und mit dem Finanzwesen vor allem die Maximierung eines schnellen Profits anstrebt. Wir haben es geschafft, die nichtwirtschaftliche Wirtschaft zu erfinden.
Deshalb lautet eines der Worte Christi, das für die aktuelle Zeit von grösster Bedeutung ist: «Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden […]. Sammelt euch aber Schätze im Himmel […]. Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.» (Matthäus 6.20–21). Wir sind zu einer tiefgreifenden ökologischen und sozialen Umkehr auf spiritueller, systemischer und praktischer Ebene aufgerufen.

Es geht darum, (freiwillig) in einen nachhaltigen Raum zurückzukehren, bevor wir dazu gezwungen werden, und zu lernen, in einem stabilen Zustand zu leben und uns darin zu entfalten. Für den Norden und die Wohlhabenden bedeutet der Übergang in eine postwachstumsorientierte Welt «schrumpfen». Es handelt sich indes nicht um einen Selbstzweck: Weniger zu tun, um weniger zu erreichen, wäre ebenso absurd wie das Gegenteil. Schrumpfung ist vielmehr der Schritt vorwärts in Richtung einer stärker ortsgebundenen Wirtschaft mit einer Gesellschaft der Genügsamkeit, die dem Leben zugewandt ist, entschleunigt, teilend, entkolonialisiert, relational und gerecht.

Es ist von zentraler Bedeutung, die Vorteile dieses Weges zu verstehen. Die Worte des Rates christlicher Kirchen in Frankreich sind diesbezüglich beeindruckend: «Indem wir in einer freien Bewegung ausgewählte, verantwortungsvolle und solidarische Formen der Genügsamkeit entdecken, die bei denjenigen ansetzen, deren ökologischer Fussabdruck am tiefsten ist, werden wir auf wachsende Begeisterung stossen.» Und weiter: «Denn einfache Dinge zu geniessen, zu entschleunigen, zu teilen, Räume zu schaffen, Pflanzen und Tieren Ruhe und Nacht zu gönnen, birgt mehr Kreativität, mehr Bindung, mehr Tiefe, mehr Dankbarkeit, mehr Lebendiges, mehr Schönheit und insgesamt mehr Freude. Mässigung ist kein anderer Ausdruck für Frustration, sondern die Chance auf neue Entfaltung.»

Ist diese Aussicht nicht toll? Unsere Berufung auf die Nachfolge des Schöpfers bedeutet nicht nur das Verhindern von Bedrohungen, sondern auch positive Verheissungen. Saisonal essen bedeutet auch das Wiederentdecken der Kirschenzeit! Die Ökologie wird uns fordern, oder sie wird nicht (mehr) sein.

Hinweis: Dieser Bericht wurde ursprünglich auf der französischen Website "Regards protestants" unter dem Titel "Écologie : un passage au vert salutaire" veröffentlicht. Die vorliegende Version ist eine Übersetzung. Für die Originalversion besuchen Sie bitte » https://regardsprotestants.com/

Tünde Lamboley
Synodalrätin
Ressort Mission, Hilfswerke & Nachhaltigkeit



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