Ganz sich selber werden in der Offenheit für Gott
Grosse Exerzitien im Alltag als Wandlungsprozess
Von Mitte November 2025 bis Pfingsten 2026 werden in Kirchgemeinden und Pfarreien der ganzen deutschsprachigen Schweiz Grosse Exerzitien im Alltag stattfinden. Bereits haben sich annähernd dreissig Gruppen angemeldet. Das ökumenische Projekt stösst auch über die Landesgrenzen hinaus auf Interesse.
Alles beginnt mit der Sehnsucht
Trotz sinkender Mitgliederzahlen in unseren Kirchen sind Menschen auch heute auf der Suche nach Orientierung und spirituellen Erfahrungen, nach einer lebendigen, persönlichen Beziehung zu Gott. Mit den Exerzitien hat die christliche Tradition eine bewährte Methode der Einübung in eine Freiheit, die den Menschen über seine Grenzen hinausträgt. Ihr tiefster Sinn ist die Befähigung zur Hingabe an das Geheimnis Gottes.
Die Grossen Exerzitien im Alltag wollen einladen, sich auf einen eigenen Glaubensweg anhand der angebotenen Texte und Impulse und der Einübung in ein nachsinnendes, inneres Beten einzulassen. Die Teilnahme in einer Gruppe und die Begleitung auf diesem Weg durch eine erfahrene geistliche Begleitperson verstärken und verfeinern diesen ganzheitlichen Prozess. So wächst die Bereitschaft, immer empfänglicher zu werden für die Wirklichkeit und das Wirken Gottes im eigenen Leben.
Gott einen Ort sichern
Mit der Teilnahme an den Grossen Exerzitien besteht die Möglichkeit, über ein halbes Jahr anhand des Übungsbuches mit dem Titel “Gott einen Ort sichern” im eigenen Alltag der göttlichen Gegenwart Raum und Zeit zu geben. Die Übungen zu diesem Buch haben Hildegard Aepli, Seelsorgerin und Mitarbeiterin im Pastoralamt des Bistums St. Gallen (Abteilung Spiritualität und Bildung), Dr. Annette Schleinzer, Exerzitienbegleiterin in D-Röderhof (Sachsen-Anhalt) und Mirjam Wey, Pfarrerin und Exerzitienleiterin/geistliche Begleiterin der reformierten Kirchgemeinde Bern-Nord, zusammengestellt. Der Impuls zu diesem Projekt kam von Hildegard Aepli. Bestärkt durch die Nachfrage aus der Erfahrung einer ersten Durchführung von Grossen Exerzitien im Alltag 2021/2022, wollte sie – diesmal in ökumenischer Zusammenarbeit – neue Übungsunterlagen für einen gross angelegten Exerzitienprozess schaffen. In der Person von Annette Schleinzer, einer ausgewiesenen Fachperson für die Schriften von Madeleine Delbrêl (französische Mystikerin, 1904-1964) und Mirjam Wey, beteiligten sich diesmal zwei weitere qualifizierte und interessierte Partnerinnen an diesem Projekt.
Ganzheitliches prozesshaftes Geschehen
Gemeinsam schufen die drei Theologinnen die Grundlagen für das Übungsbuch. Für die ganze Zeitspanne von gut einem halben Jahr ist für jeden Tag ein Abschnitt des Sonntagsevangeliums mit kurzem Kommentar und einer Leitfrage für die Meditation vorgeschlagen. Texte von Madeleine Delbrêl, welche in einem inneren Zusammenhang zum jeweiligen Bibeltext stehen, und ihre Biografie sind in regelmässigen Abständen ebenfalls ins Übungsbuch eingearbeitet. Die Teilnehmenden erhalten mit diesen Unterlagen einen guten Leitfaden für ihren eigenen Gebetsweg. Einführend finden sich darin auch praktische Hinweise, welche die Bereitschaft für die tägliche Gebetszeit unterstützen. Exerzitien sind ein ganzheitliches, prozesshaftes Geschehen, d.h. auch der Leib ist neben Geist und Seele ein wichtiger Faktor. Madeleine Delbrêl hat dies in ihrer eigenen unnachahmlichen Sprache so beschrieben: „An uns ist es, uns von dir erfinden zu lassen, um fröhliche Leute zu sein, die ihr Leben mit dir tanzen.“ (Du lebtest, S. 75f). Das Leben in den Armen Gottes tanzen: Diese Allegorie hat etwas Leichtes und Einladendes, ist zugleich auch ein Einüben in das Gottvertrauen. Die Skizze einer Tänzerin des Künstler-Paters Eugen Bollin (Engelberg) findet sich denn auch auf dem Cover des Übungsbuches und zieht sich wie ein roter Faden hindurch.
Der Weg ist das Ziel
Die grossen Exerzitien sind ein langer Weg. Es braucht dazu eine Sehnsucht nach einer lebendigen Gottesbeziehung und die Bereitschaft, diesen Weg entschieden zu gehen. Denn es wird auf diesem Weg auch immer mal wieder Phasen geben, wo sich scheinbar „nichts tut“, wo die Zeit, die für Stille und Gebet aufgewendet werden, scheinbar nichts bringt. Darum ist empfohlen, sich Weggefährt:innen und Begleitpersonen in Form einer festen Gruppe anzuschliessen. Eine Webseite (siehe Info-Box) gibt Aufschluss, wo überall Gruppen sich bilden. An jedem Standort werden ein Info-Treffen und eine längere Bedenkzeit bis zur Anmeldung die eigene Entscheidung erleichtern.
Die ganze Exerzitien-Zeit wird von zwei feierlichen Anlässen gerahmt: der Auftakt-Gottesdienst in der Kathedrale St. Gallen am 16. November 2025 und der Abschluss-Gottesdienst im Berner Münster an Pfingstmontag 2026.
Gemeinsam mit vielen anderen Gruppen in der deutschen Schweiz und vereinzelt auch in Deutschland, die im gleichen Zeitraum mit den gleichen täglichen Impulsen unterwegs sind, entsteht so eine kraftvolle geistliche Weggemeinschaft in ökumenischer Verbundenheit. Ob das der Anfang ist eines neuen geistlichen Aufbruchs in unseren Kirchen?
Info-Box:
Die Webseite » www.grosse-exerzitien-im-alltag.ch/ gibt Einblicke ins ganze Projekt. Hier sind auch die bereits angemeldeten Gruppen mit den Kontaktdaten und Flyer-Angaben dargestellt.
Das Übungsbuch für die ökumenischen Grossen Exerzitien im Alltag „Gott einen Ort sichern“ 2025/26 wird gruppenweise bestellt, kann aber auch schon vorgängig über folgende Adresse bezogen werden: info@copy-blitz.ch oder Tel. 071 244 14 60. Kosten samt Einleger CHF 16.-, zzgl. Porto.
Mirjam Wey
Pfarrerin/Heimseelsorgerin
Reformierte Kirchgemeinde Bern Nord
Newsletter - Inhaltsverzeichnis
Von Mitte November 2025 bis Pfingsten 2026 werden in Kirchgemeinden und Pfarreien der ganzen deutschsprachigen Schweiz Grosse Exerzitien im Alltag stattfinden. Bereits haben sich annähernd dreissig Gruppen angemeldet. Das ökumenische Projekt stösst auch über die Landesgrenzen hinaus auf Interesse.
Alles beginnt mit der Sehnsucht
Trotz sinkender Mitgliederzahlen in unseren Kirchen sind Menschen auch heute auf der Suche nach Orientierung und spirituellen Erfahrungen, nach einer lebendigen, persönlichen Beziehung zu Gott. Mit den Exerzitien hat die christliche Tradition eine bewährte Methode der Einübung in eine Freiheit, die den Menschen über seine Grenzen hinausträgt. Ihr tiefster Sinn ist die Befähigung zur Hingabe an das Geheimnis Gottes.
Die Grossen Exerzitien im Alltag wollen einladen, sich auf einen eigenen Glaubensweg anhand der angebotenen Texte und Impulse und der Einübung in ein nachsinnendes, inneres Beten einzulassen. Die Teilnahme in einer Gruppe und die Begleitung auf diesem Weg durch eine erfahrene geistliche Begleitperson verstärken und verfeinern diesen ganzheitlichen Prozess. So wächst die Bereitschaft, immer empfänglicher zu werden für die Wirklichkeit und das Wirken Gottes im eigenen Leben.
Gott einen Ort sichern
Mit der Teilnahme an den Grossen Exerzitien besteht die Möglichkeit, über ein halbes Jahr anhand des Übungsbuches mit dem Titel “Gott einen Ort sichern” im eigenen Alltag der göttlichen Gegenwart Raum und Zeit zu geben. Die Übungen zu diesem Buch haben Hildegard Aepli, Seelsorgerin und Mitarbeiterin im Pastoralamt des Bistums St. Gallen (Abteilung Spiritualität und Bildung), Dr. Annette Schleinzer, Exerzitienbegleiterin in D-Röderhof (Sachsen-Anhalt) und Mirjam Wey, Pfarrerin und Exerzitienleiterin/geistliche Begleiterin der reformierten Kirchgemeinde Bern-Nord, zusammengestellt. Der Impuls zu diesem Projekt kam von Hildegard Aepli. Bestärkt durch die Nachfrage aus der Erfahrung einer ersten Durchführung von Grossen Exerzitien im Alltag 2021/2022, wollte sie – diesmal in ökumenischer Zusammenarbeit – neue Übungsunterlagen für einen gross angelegten Exerzitienprozess schaffen. In der Person von Annette Schleinzer, einer ausgewiesenen Fachperson für die Schriften von Madeleine Delbrêl (französische Mystikerin, 1904-1964) und Mirjam Wey, beteiligten sich diesmal zwei weitere qualifizierte und interessierte Partnerinnen an diesem Projekt.
Ganzheitliches prozesshaftes Geschehen
Gemeinsam schufen die drei Theologinnen die Grundlagen für das Übungsbuch. Für die ganze Zeitspanne von gut einem halben Jahr ist für jeden Tag ein Abschnitt des Sonntagsevangeliums mit kurzem Kommentar und einer Leitfrage für die Meditation vorgeschlagen. Texte von Madeleine Delbrêl, welche in einem inneren Zusammenhang zum jeweiligen Bibeltext stehen, und ihre Biografie sind in regelmässigen Abständen ebenfalls ins Übungsbuch eingearbeitet. Die Teilnehmenden erhalten mit diesen Unterlagen einen guten Leitfaden für ihren eigenen Gebetsweg. Einführend finden sich darin auch praktische Hinweise, welche die Bereitschaft für die tägliche Gebetszeit unterstützen. Exerzitien sind ein ganzheitliches, prozesshaftes Geschehen, d.h. auch der Leib ist neben Geist und Seele ein wichtiger Faktor. Madeleine Delbrêl hat dies in ihrer eigenen unnachahmlichen Sprache so beschrieben: „An uns ist es, uns von dir erfinden zu lassen, um fröhliche Leute zu sein, die ihr Leben mit dir tanzen.“ (Du lebtest, S. 75f). Das Leben in den Armen Gottes tanzen: Diese Allegorie hat etwas Leichtes und Einladendes, ist zugleich auch ein Einüben in das Gottvertrauen. Die Skizze einer Tänzerin des Künstler-Paters Eugen Bollin (Engelberg) findet sich denn auch auf dem Cover des Übungsbuches und zieht sich wie ein roter Faden hindurch.
Der Weg ist das Ziel
Die grossen Exerzitien sind ein langer Weg. Es braucht dazu eine Sehnsucht nach einer lebendigen Gottesbeziehung und die Bereitschaft, diesen Weg entschieden zu gehen. Denn es wird auf diesem Weg auch immer mal wieder Phasen geben, wo sich scheinbar „nichts tut“, wo die Zeit, die für Stille und Gebet aufgewendet werden, scheinbar nichts bringt. Darum ist empfohlen, sich Weggefährt:innen und Begleitpersonen in Form einer festen Gruppe anzuschliessen. Eine Webseite (siehe Info-Box) gibt Aufschluss, wo überall Gruppen sich bilden. An jedem Standort werden ein Info-Treffen und eine längere Bedenkzeit bis zur Anmeldung die eigene Entscheidung erleichtern.
Die ganze Exerzitien-Zeit wird von zwei feierlichen Anlässen gerahmt: der Auftakt-Gottesdienst in der Kathedrale St. Gallen am 16. November 2025 und der Abschluss-Gottesdienst im Berner Münster an Pfingstmontag 2026.
Gemeinsam mit vielen anderen Gruppen in der deutschen Schweiz und vereinzelt auch in Deutschland, die im gleichen Zeitraum mit den gleichen täglichen Impulsen unterwegs sind, entsteht so eine kraftvolle geistliche Weggemeinschaft in ökumenischer Verbundenheit. Ob das der Anfang ist eines neuen geistlichen Aufbruchs in unseren Kirchen?
Info-Box:
Die Webseite » www.grosse-exerzitien-im-alltag.ch/ gibt Einblicke ins ganze Projekt. Hier sind auch die bereits angemeldeten Gruppen mit den Kontaktdaten und Flyer-Angaben dargestellt.
Das Übungsbuch für die ökumenischen Grossen Exerzitien im Alltag „Gott einen Ort sichern“ 2025/26 wird gruppenweise bestellt, kann aber auch schon vorgängig über folgende Adresse bezogen werden: info@copy-blitz.ch oder Tel. 071 244 14 60. Kosten samt Einleger CHF 16.-, zzgl. Porto.
Mirjam Wey
Pfarrerin/Heimseelsorgerin
Reformierte Kirchgemeinde Bern Nord
Newsletter - Inhaltsverzeichnis
Editorial
Die katastrophalen Auswirkungen der übermässigen Nutzung von Technologien auf Mensch und Umwelt
Interview mit Pfarrerin Bettina Beer
Ein Abend voller Licht, Begegnung und Kultur
Kolumne: Die unerwartete Renaissance der Schrumpfköpfe
Staunende Dankbarkeit
Feierliche Diplomübergabe und Beauftragung
Es werden wieder Tage sein
Ganz sich selber werden in der Offenheit für Gott
Medientipps aus dem Dokumentationszentrum der PH Freiburg
Die katastrophalen Auswirkungen der übermässigen Nutzung von Technologien auf Mensch und Umwelt
Interview mit Pfarrerin Bettina Beer
Ein Abend voller Licht, Begegnung und Kultur
Kolumne: Die unerwartete Renaissance der Schrumpfköpfe
Staunende Dankbarkeit
Feierliche Diplomübergabe und Beauftragung
Es werden wieder Tage sein
Ganz sich selber werden in der Offenheit für Gott
Medientipps aus dem Dokumentationszentrum der PH Freiburg