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Ev.-ref. Kirche des Kantons Freiburg

Laeticia Buchs

R wie «Air», also Luft, oder R wie «Respiration», also Atmen

tree-3822149_1920 (Foto: Pixabay)

«La Lettre R», so der Name unseres Newsletters.
R wie «reformiert», klar. Aber ist dies nicht etwas zu kurz gedacht?
Man könnte auch sagen:
R wie «Air», also Luft, oder R wie «Respiration», also Atmen
.

Gerade jetzt erfahren wir es alle ganz besonders, dieses Bedürfnis nach Luft, nach freiem Atmen; atmen ohne die Maske, die uns zwar schützt, uns aber auch am tiefen und erholsamen Durchatmen hindert. Oh, dieser Wunsch, tief in einen Wald hineinzugehen und so richtig durchzuatmen, Energie zu tanken und die Lungen mit reiner, kühler, herrlich feuchter Luft zu füllen und die wunderbaren Düfte des Waldes einzuatmen. Aber diese Maske! Sie behindert nicht nur das Atmen, sie lässt die Brille anlaufen, was dazu führt, dass wir auch noch schlechter sehen, und sie erschwert das gegenseitige Verstehen, denn sie dämpft die Aussprache und verdeckt den Mund, sodass es nicht mehr möglich ist, von den Lippen zu lesen. Wir sind hin und her gerissen zwischen der Pflicht, die Hygienemassnahmen einzuhalten und dem Drang, nicht zu gehorchen, endlich wieder die Freiheit und die Natur zu fühlen. Und da meldet sich die Ungeduld: «Wie lange noch?» Wie lange müssen wir diese Einschränkungen noch ertragen? Wann endlich hört die Pandemie auf? Gerade jetzt muss ich unweigerlich an das hebräische Volk auf seiner Flucht aus Ägypten denken, an sein Aufbegehren und seinen Protest in der Wüste. Vergessen sind Sklaverei und Peitschenhiebe, man erinnert sich nur noch an die Sesshaftigkeit und an die Nahrung, an die wunderbaren «Zwiebeln aus Ägypten ...» (eine Erinnerung, die mir als Kind eher fragwürdig erschien 😊). Die Israeliten mussten durch die Wüste wandern, auf das Manna warten, bevor es vom Himmel fiel, hoffen, eine Quelle zu finden und weiter herumirren. Ich denke auch an David, der die wohl schönsten Psalmen in Zeiten der Not schrieb: «Wie lange, HERR! Willst du mich ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Wie lange soll ich Sorgen tragen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen, Tag für Tag? Wie lange noch soll mein Feind sich über mich erheben? Sieh mich an, erhöre mich, HERR, mein Gott. Mache meine Augen hell.» (Psalm 13)
Mach unsere Augen hell, damit wir erkennen, dass wir nur Menschen sind und keine Götter, damit wir unser Unvermögen angesichts der Phänomene, die grösser sind als wir, eingestehen. Und damit wir in Dir Antworten suchen.
R wie «Air» oder Luft, R wie «Respiration» oder Atmen, R wie «Reconnaitre» oder Erkennen, R wie «Renaissance» oder Wiedergeburt.

Anne-Elisabeth Nobs
Synodalrätin

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